12.10.26 – Interview mit Nekane Txapartegi über ihre Abschiebung aus Argentinien
Anfang Oktober reiste die feministische Redaktion RADIA von Radio LoRa nach Argentinien, um vom 39. Encuentro Plurinacional in Córdoba zu berichten. Bei dem feministischen Treffen kommen jedes Jahr Zehntausende Frauen, Lesben, Travestis, trans, bisexuelle, intergeschlechtliche und nichtbinäre Personen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Strategien zu entwickeln und gegen patriarchale Gewalt und politische Unterdrückung zu kämpfen.
Für RADIA war die Reise auch eine Gelegenheit, Community-Radios vor Ort zu besuchen, sich mit anderen feministischen Medien auszutauschen und die Stimmen der Bewegungen direkt hörbar zu machen. Doch bereits bei ihrer Ankunft am Flughafen Ezeiza in Buenos Aires wurde RADIA-Koordinatorin Nekane Txapartegi die Einreise verweigert. Ohne eine nachvollziehbare Erklärung und ohne die Möglichkeit, die Entscheidung anzufechten, wurde sie noch in derselben Nacht zurück in die Schweiz geschickt.
Im Gespräch mit Radio LoRa erzählt Nekane, wie die Ausweisung ablief, weshalb sie darin ein Zeichen zunehmender politischer Repression sieht und was dieser Vorfall mit der internationalen Zusammenarbeit autoritärer und faschistischer Kräfte zu tun hat. Sie berichtet auch von der schnellen solidarischen Reaktion der feministischen Bewegung in Argentinien – und davon, warum solche Angriffe nicht dazu führen dürfen, dass wir uns zurückziehen oder einschüchtern lassen.
"Und ich denke, das macht auch die feministische Bewegung einfach, wir dürfen es nicht einfach so akzeptieren, wir müssen uns jedes Mal erschrecken. Und dieser Schreck, die Angst, darf uns nicht bremsen, sondern dazu führen, dass wir uns als Antwort darauf noch mehr organisieren." - Nekane Txapartegi
Für Nekane ist ihr Fall kein Einzelfall. Sie verweist darauf, dass in Argentinien bereits zahlreiche Aktivist*innen nicht ins Land gelassen wurden. Wenn kritische und antifaschistische Stimmen an der Grenze gestoppt werden, geht es auch darum, politische Gegenbewegungen einzuschüchtern und ihre Arbeit unsichtbar zu machen. Umso wichtiger sei es, die Erfahrungen und Kämpfe der feministischen Bewegungen weiterzutragen und sich international zu vernetzen.
Denn trotz der Einreiseverweigerung fand das Encuentro statt. Die anderen Mitglieder von RADIA waren vor Ort und konnten die geplante Berichterstattung fortsetzen. Auch Nekane will sich nicht zum Schweigen bringen lassen:
«Solche Angriffe werden mich auch nie bremsen, meine Arbeit weiterzumachen.» - Nekane Txapartegi